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TAGEBUCH ALIENS


Gibt es außerirdisches Leben? Und wieso warnt Stephen Hawking davor, mit Aliens Kontakt aufzunehmen? Ist es nur okkultes Treiben, mit ihnen Kontakt aufnehmen zu wollen? Oder hat es einen wissenschaftlichen Wert? Meine Mutter spricht sehr selten über meine Forschungen. Doch im April fragte sie mich plötzlich: „Stimmst du mit Stephen Hawking überein?“ Eigentlich ist die Antwort einfach.

Bei Themen wie dem „Verhalten schwarzer Löcher“ oder der „Struktur des frühzeitlichen Universums“ ist Ja eine sichere Antwort. Das war es allerdings nicht, was meine Mutter wissen wollte. Nein, sie wollte wissen, ob ich mit Hawking darin übereinstimmte, dass Kontakt mit Aliens aufzunehmen eine schlechte Idee sei. Jede außerirdische Zivilisation, die unsere Kommunikation empfangen kann, könnte an unserer Türschwelle erscheinen, warnte Hawking – und müsse nicht zwangsläufig freundlich sein.

„Solche weit fortgeschrittenen Aliens“, sagt Hawking, „könnten danach Ausschau halten, die zu erreichenden Planten zu erobern und zu kolonisieren.“ Hawkings Warnung drang schnell in die Blogosphäre vor – bald darauf rief auch meine Mutter an.

Und plötzlich verwendete das Wort „Aliens“ jedermann – genau zum 50.Jubiläum von Seti (Search for Extraterrestrial Intelligence). Obwohl Astronomen lange von der außerirdischen Intelligenz geträumt hatten, begann die moderne Geschichte von Seti mit einem kurzen Artikel in „Nature“ im Jahr 1959, als zwei Astrophysiker in Cornell, Giuseppe Cocconi und Philip Morrison, postulierten, dass eine spezifische Frequenz eine Kommunikation mit außerirdischem intelligenten Leben zulassen könnten.

Frank Drake, ein Astronom des neu etablierten Observatoriums für Radioastronomie in West Virginia, argumentierte ähnlich. 1960 führte er eigene Untersuchungen durch – in der Hoffnung, einige verräterische Zeichen für intelligentes Leben zu finden. Er hörte zumeist ein klares Rauschen und herztonartiges Klopfen, stellte aber fest, dass diese Geräusche nicht vom Himmel, sondern aus einer geheimen militärischen Anlage kamen.

Cocconis und Morrisons „Nature“-Artikel bietet heute eine interessante Lektüre. Er erschien zwei Jahre nach dem „Sputnik I“-Start und kombinierte nüchterne Berechnung mit fast überschwänglichem Optimismus.

Warum sollte man nach Signalen von Aliens Ausschau halten? Weil so viele Sterne am Himmel scheinen, erklärten Cocconi und Morrison. Viele sind unserer Sonne ähnlich, was bedeutet, dass gleiche Bedingungen wie auf der Erde sehr häufig in der Galaxie vorkommen können. Cocconi und Morrison sind außerdem davon überzeugt davon, dass unzählige Zivilisationen dafür geeignet wären, um „wissenschaftliche Interessen“ und „technische Möglichkeiten noch größer als die unseren“ zu entwickeln. Wo erdähnliche Umstände herrschen, dort könnte es auch Leben geben. Und wo Leben ist, gibt es auch Wissenschaft.

Der kurze Text von Cocconi und Morrison enthält einige Ungereimtheiten. Wieso sollten wir annehmen, dass fortgeschrittene Aliens mit uns in Kontakt treten würden? Die Menschheit hatte erstmals 1951 einen Prozess in Wasserstoffatomen erforscht, der Mikrowellen in einer Frequenz namens „21-Zentimeter-Linie“ emittiert. Da Wasserstoff das einfachste und ergiebigste existierende Element ist, ist es mit einer einzigartigen Frequenz ausgestattet, die für jeden Beobachter im Universum nachvollziehbar ist. Vor dem Hintergrund dieses universellen Guts sollten Aliens erwarten können, dass jede Zivilisation entsprechend sensible Empfänger entwirft.

Nach Cocconi und Morrison wäre die einzige „rationale“ Entscheidung der Aliens anzunehmen, dass wir eines Tages denselben wissenschaftlich-technologischen Weg einschlagen würden, den auch sie gegangen sind.

Man muss kein Psychoanalytiker sein, um ein gewisses Maß an Wunschdenken in Cocconi und Morrisons Artikeln zu entdecken. Die außerirdischen Zivilisationen wurden nicht nur als fortschrittlich dargestellt, „ihre“ Aliens waren auch nette, freundliche Ältere, die ihre stellare Nachbarschaft wohlwollend beobachteten und hofften, eines Tages Signale anderer intelligenter Gesellschaften zu enthalten.

Bevor Morrison seine Arbeit bei Seti begann, war er am Manhattan- Project beteiligt. Er untersuchte sowohl Hiroshima als auch Nagasaki einige Wochen nach der Bombardierung 1945. Durch diese Erfahrungen beeindruckt, verwendete er seine ganze Energie auf die Atomwaffenkontrolle. In den frühen 1950er-Jahren wurde er für seine radikalen Ideen über eine „Weltregierung“ scharf kritisiert. Kein Wunder, dass er sich dem Himmel zuwandte und nach anderen, einladenden Zivilisationen suchte.

Drake begann dort, wo Cocconi und Morrison aufgehört hatten. Er half, 1961 Diskussionen über einen Workshop für Seti zu organisieren, brachte flüchtig eine Gleichung zu Papier (jetzt als die „Drake-Gleichung“ bekannt), um einzuschätzen, ob es möglich ist, dass intelligentes fortschrittliches Leben außerhalb von unserem existiert. Variable dabei sind die Entstehung neuer Sterne, der Anteil der Sterne, der Planeten formt, der Anteil der Planeten, der Bedingungen für die Entstehung neues Lebens aufweist, und so weiter. Die letzte Größe in der Berechnung, „L“, berechnet die durchschnittliche Lebensdauer von fortschrittlichen Alien-Zivilisationen. Während Cocconis und Morrisons Artikel den hoffnungsvollen Aufschwung des frühen Weltraumalters reflektieren, tragen Drakes Notizen den Stempel des Kalten Kriegs. Für Drake und die meisten seiner Kollegen steht das Symbol „L“ für den radikalen Nuklearkrieg. Cocconi und Morrison fassen zusammen, dass Leben unwiederbringlich zu Wissenschaft führe. Drake machte den nächsten Schritt: Wissenschaft führe unaufhaltsam zu Nuklearwaffen.

Paul Davies beschreibt in seinem Buch „The Eerie Silence: Are We Alone in the Universe?“ die Leitgedanken der Seti-Pioniere. Davies ist Kosmologe und Astrobiologe und leitet eine Abteilung an der Arizona State University, genannt „The Beyond Center for Fundamental Concepts in Science“. Sein Hauptaugenmerk galt bei der Frage nach außerirdischem Leben dem Aspekt, notwendige und hinreichende Bedingungen zu unterscheiden. Die Präsenz von Wasser und Aminosäuren scheinen wichtig für das Leben an einem entfernten Planeten, aber ihre zufällige Präsenz ist zu gering, als dass sich Leben entwickeln könnte. Dasselbe gilt auch für die Existenz von erdähnlichen Planeten, die sonnenähnliche Sterne umkreisen. Als Cocconi, Morrison und Drake ihre strategischen Gedanken formulierten, hatten Astronomen noch keine direkten Beweise für Planeten außerhalb unseres Sonnensystems.

Der erste wurde erst 1992 entdeckt, seither wurden hunderte von Exo-Planeten identifiziert. Aber, wie Davies feststellt, auch wenn Exo-Planeten überproportional in unserer Galaxie vorhanden sind – das Existieren von überproportionalem Leben könnte sogar noch unwahrscheinlicher sein.

Wo Cocconi und Morrison annahmen, dass intelligente Zivilisationen unausweichlich wissenschaftliche Forschung vorantreiben würden, entgegnete Davies, dass Forschung nicht universell ist, und zwar nicht einmal hier auf der Erde.

Kann unsere Darstellung der Welt also universell sein? Während eines halben Jahrhunderts mit Seti haben Cocconi, Morrison, Drake und ihre Anhänger darüber debattiert, welche Regionen des elektromagnetischen Spektrums für eine Suche am sinnvollsten in Betracht zu ziehen wären. Aber wer kann schon sagen, dass andere fortschrittliche Zivilisationen – selbst wenn sie so etwas wie wissenschaftliche Forschung betreiben – die Wirren der Natur auf dieselbe Art wie wir zerlegen? Wir denken in Begriffen wie Atom, Elektron, Quantenmechanik und elektromagnetische Wellen, aber ist das die einzige Möglichkeit, physikalische Phänomene begreifbar zu machen? Kann die Geistesgeschichte der westlichen Wissenschaft tatsächlich ein allgemeines Phänomen sein?

Davis leitet zurzeit die Seti Post-Detection Taskgroup, ein Komitee, das sich mit der Entwicklung eines Protokolls für den Fall befasst, dass ein extraterrestrisches Signal entdeckt wird. Wenige Themen lösen so umfangreiche Verschwörungstheorien aus wie vermeintliche Vertuschungsaktionen von UFOs und Kontaktaufnahmen mit Aliens durch eine Regierung. Davis Team bemüht sich um einen Mittelweg zwischen militärischer Geheimhaltung und wahllosem Publikmachen jedes falschen Alarms.

Durch das Gerede über Aliens wird Seti oft mit okkulten Themen oder Pseudowissenschaften in einen Topf geworfen. Sucht man im Internet nach Verweisen auf Cocconis und Morrisons Artikel, findet man neben Links zu dem Text auch Bücher des New-Age-Schamanismus-Experten Carlos Castaneda und Arbeiten von Mystik-Environmentalisten. Aufgrund des Fehlens fixer Aufträge, so Kritiker, wurde die Suche weitgehend durch Glauben, Hoffnung und Spekulation getragen; die Anhänger halten dagegen, dass Seti in drei Jahrzehnten stets gute Zeugnisse von der „US National Academy of Sciences“ ausgestellt bekommen hat. Das Bestreben, die Fähigkeit zur Erkennung zu verbessern, hätte zu großen Fortschritten in der Mikrowellenelektronik und Signalextrahierung geführt.

Seti mag seinen größten Beitrag tatsächlich im thermonuklearen Bereich leisten. Einige der gefährlichsten Nebenprodukte des nuklearen Zeitalters, darunter etwa Plutonium-Isotope, haben eine Halbwertszeit von hunderttausenden Jahren. Eine der Herausforderungen besteht darin, auf der Erde für die Lagerung dieser Abfälle geeignete Plätze zu finden, die über einen solchen Zeitraum geologisch stabil bleiben. Eine andere Herausforderung ist das Entwerfen von Warnsymbolen, die unsere Nachfahren auch noch in 300.000 Jahren davon abhalten, in diesen Gebieten zu graben.

Wie der Historiker Peter Galison dokumentiert hat, haben die US-Atombehörden das Wissen unterschiedlicher Experten (z.B. von Linguisten, Anthropologen und Bildhauern) in Anspruch genommen, um zu überlegen, wie wir in einer weit entfernten Zukunft mit Außerirdischen kommunizieren könnten. Schließlich datiert das lateinische Alphabet nur etwa 2600 Jahre zurück; nur Anmaßung könnte uns dazu verleiten anzunehmen, dass unsere Methoden der Kommunikation auch im Jahr 300.000 n. Chr. noch verständlich sein werden.

Neben Linguisten und Künstlern haben die Nuklearbürokraten auch Experten von Seti ins Boot geholt. Das Ringen um Wege der Kommunikation mit unserem zukünftigen Selbst verlangt nach radikalen Vorstellungen. Beide Unternehmen verlaufen kreuz und quer zwischen den Disziplinen, beide brauchen Experten, um das, was wir über unsere eigene Zivilisation wissen, zu projizieren und die Kommunikation mit „entfernten anderen“ zu ermöglichen. Sie sind Spiegelbilder, Zwillinge des nuklearen Zeitalters.

/ David Kaiser ist Dozent am MIT. Er unterrichtet sowohl am Department „Science, Technology and Society“ als auch am Department für Physik. Er schreibt an einem Buch mit dem Titel „How the Hippies Saved Physics“. Dieser Artikel erschien erstmals in der „London Review of Books“ von 8. Juli. Übersetzung aus dem Englischen: Alexandra Zarkovski und Hemma Wiltschnigg./

David Kaiser (Die Presse)



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