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SO SIND SIE, DIE SERBEN


ZEIT ONLINE

Ein Bild des Landes in fünf Porträts

Der Kreuzzügler: Ein Wohnsilo in Neu-Belgrad, vermüllte Hauseingänge, bröckelnder Beton, im Erdgeschoss ein Laden mit braunen Plastikpaneelen, einer altersschwachen Zimmerpflanze und abgewetzten Büromöbeln.

An den Wänden hängen eine Guzla, ein traditionelles serbisches Musikinstrument, Bilder von serbischen Soldaten und Monarchen. Hier treffen sich Mitglieder der ultranationalistischen Gruppe Obraz. Von hier soll die »moralische und spirituelle Erneuerung« Serbiens ausgehen, was einen angesichts der trostlosen Inneneinrichtung zunächst nicht so recht erschrecken mag. Auch der Präsident der Organisation wirkt nicht wie der Barrikadenkämpfer, als der er sich ausgibt. Mladen Obradović, 28 Jahre alt, groß, schlaksig, trägt im Gesicht den leicht herablassenden Ausdruck des ewigen Klassenbesten und weist nicht die Spur von Bartwuchs auf. »Es geht um die Befreiung Serbiens und die Wiedervereinigung aller Serben«, sagt er, »darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten? Saft, Kaffee, Tee?«

Obraz heißt auf Deutsch »Wange« oder »Antlitz« und war in den neunziger Jahren der Titel eines »vaterländischen« Magazins mit engem Draht zur serbisch-orthodoxen Kirche. Als Rechtsradikale 2001 in Belgrad die erste Christopher-Street-Day-Parade von Schwulen und Lesben überfielen, wurde aus der Zeitschrift eine Organisation. »Bewegung«, nennt es Obradović. Beitreten könne, wer »moralische Tauglichkeit, körperliche Fitness, Treue zum orthodoxen Glauben und Serbentum« verkörpere. Letzteres beruhe auf Heldentum und Anstand, was wiederum ausschließt, dass Serben Kriegsverbrechen begehen. Ratko Mladić und Radovan Karadžić sind nach Lesart von Obraz echte Serben.

Mladen Obradović hat nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos nicht in Belgrad demonstriert, sondern im Nord-Kosovo »die Serben verteidigt«. In diesen Tagen gingen Grenzstationen in Flammen auf, es flogen Steine und Handgranaten. Gewalt, die von serbischen Politikern aus dem Umfeld des ehm. nationalistischen Premierministers Vojislav Koštunica ebenso offen gebilligt wurde wie die Attacken auf westliche Botschaften in Belgrad. Über seinen genauen Beitrag schweigt sich Obradović aus, aber er lässt keinen Zweifel daran, dass er und seine Leute nicht nur Fahnen schwenken.

Mit 22 Jahren, da studierte er noch Geschichte, fuhr er das erste Mal ins Kosovo, eine Art Taufe für ihn. »Das ist geheiligter Boden, jeder Serbe spürt das.« Seitdem pilgert er jedes Jahr im Juni am Vidovdan, dem Sankt-Veits-Tag, mit Tausenden Serben und beschützt von Nato-Soldaten, zum Amselfeld im Kosovo, wo 1389 jene Schlacht zwischen Türken und Serben stattfand, die bis heute den Mythos vom serbischen Opfertum begründet. Das ist über 600 Jahre her. »Herr Obradović, wollen Sie nicht lieber in die Zukunft schauen?«

Die Vergangenheit ist für ihn die Zukunft. Was einst die Osmanen waren, sei später der Kommunismus gewesen, sei heute Europa – eine dekadente Bedrohung. »Europa«, sagt er mit einem Ausdruck leisen Mitleids im Gesicht, »ist doch längst zu schwach, um sich gegen den Vormarsch von muslimischen Immigranten und homosexuellen Familienzerstörern zu wehren.

Die Unpolitische: Die Choreografie sitzt, sie hat an diesem Nachmittag noch einmal zwei Stunden geübt. Make-up und Kleid sind ausgewählt. Jelena Tomašević wird für Serbien beim Grand Prix Eurovision anders ins Rennen gehen als ihre Vorgängerin. Entschieden feminin und heterosexuell. Oro heißt ihr Wettbewerbssong, ein folkloristisch angehauchtes Liebeslied, politisch scheinbar völlig unverfänglich, wenn man nicht genau hinhört

Vielleicht zeigt sich Serbiens Konfusion, dieser Zickzackkurs zwischen Europäisierung mit all ihren materiellen Hoffnungen, trotzigem Serbentum und politischer Frustration nirgendwo deutlicher als ausgerechnet in der Schlagerszene. Als die Serbin Marija Šerifović den Grand Prix in Helsinki gewann, stürzte sie nicht nur ihr Land in einen Freudentaumel, sondern machte es damit auch zum Gastgeber des diesjährigen Wettbewerbs. Dass Šerifović lesbisch ist, pfeifen in Belgrad die Spatzen von den Dächern. Ihr Status als Nationalheldin wurde in der internationalen Presse folglich als untrügliches Indiz für die neue Toleranz gewertet. Wenige Monate nach ihrem Erfolg stieß dann Šerifović viele ihrer Anhänger vor den Kopf, als sie ihr Eurovisionslied für die nationalistische Radikale Partei (SRS) sang, die sie als einzig ehrliche Kraft in der Politik lobte – eine Anspielung auf die notorische Korruption der anderen Parteien. Inzwischen hat sich der Superstar aus der Kontroverse zurückgezogen – und nun ist es ihrer Nachfolgerin überlassen, sich mit den politischen Fliehkräften des Landes zu arrangieren. Denen war Tomašević, eine 24-jährige Englisch-Studentin, schon einmal zum Opfer gefallen. 2005, beim nationalen Vorentscheid ihres Landes, das damals noch Serbien und Montenegro hieß, wurde sie von den montenegrinischen Juroren mit null Punkten abserviert – eine Vorwegnahme der Sezession Montenegros, wenn man so will. »Aber es gibt ja Gerechtigkeit«, sagt sie. »Das wird vielleicht mein Jahr.« Die nationalistisch gesinnten Fans bedient sie in ihrem Song mit einer Strophe zu Vidovdan, dem Gedenktag an die Schlacht auf dem Amselfeld, die homosexuelle Fangemeinde mit einem Toleranzbekenntnis, dass »wirklich jeder so leben können soll, wie er will«.

Und niemand, verspricht sie fast flehentlich, müsse sich in Belgrad vor irgendetwas fürchten. Nicht vor Pfeifkonzerten für Interpreten aus den Ländern, die das Kosovo anerkannt haben. Auch nicht vor Hooligans, die auf den Straßen homosexuelle Eurovisionsfans attackieren. Die serbische Polizei, die sich bislang nicht durch große Einsatzfreude bei Attacken von Rechtsradikalen ausgezeichnet hat, will besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen. Tomašević konzentriert sich unterdessen auf ihre härteste Konkurrenz: »Armenien, Russland, Irland, vielleicht die Ukraine.« Dieses Jahr, so hofft sie, wird ihr Sprungbrett für eine Karriere in Europa.

Der Ankläger: Links hinter seinem Sessel lehnt eine serbische Fahne an der Wand, fast mannshoch. Rechts, noch größer, ein Bild von Justitia. Vor dem Schreibtisch ein Fernseher. Per Videolink kann er die Verhandlungen im Gerichtssaal beobachten. Derzeit stehen acht serbische Polizisten vor Gericht, angeklagt wegen eines Massakers an Albanern im März 1999 im kosovarischen Suva Reka. Der Saal ist leer, Sitzungspause. »Die haben richtig Aufwind bekommen«, sagt er, und meint die Angeklagten. »Die glauben, wenn am Sonntag die Nationalisten gewinnen, sind sie in ein paar Wochen wieder frei.«

So ein Gesicht wie seines muss man sich erst mal erarbeiten. Ein Charakterkopf mit leicht zerbeulter Nase, filmtauglich für die Rolle eines Patriziers ebenso wie die eines Paten. Dabei liegt ihm nichts ferner als die Welt eines Mafiabosses. Andererseits auch nichts näher. Vladimir Vukcević, Jahrgang 1950, seit 30 Jahren Staatsanwalt, Spezialgebiet: Organisiertes Verbrechen. Seit fünf Jahren amtiert er als Chefankläger für Kriegsverbrechen bei der zuständigen Kammer in Belgrad. Er ermittelt gegen die zweite Garde, gegen jene Täter, für die das UN-Jugoslawien-Tribunal in Den Haag keine Zeit und keine Ressourcen hat. 123 Personen hat er bislang auf die Anklagebank gebracht, die meisten von ihnen Serben, hat Haftstrafen unter anderem gegen Angehörige der »Skorpione« durchgefochten, einer paramilitärischen Einheit, die am Massenmord von Srebrenica beteiligt waren. Der Fall war ein Wendepunkt in der öffentlichen Debatte über Serbiens Rolle in den Balkankriegen, wobei Vukcević die juristische Aufarbeitung der Kriege durchaus national intonieren kann. »Sogenannte Serben« nennt er Täter von Srebrenica oder Vukovar. »Mit der namentlichen Feststellung der Schuldigen und dadurch, dass wir sie vor Gericht stellen«, hat er einmal gesagt, »beseitigen wir die kollektive Verantwortung der Serben als Volk«.

Für Hinweise zur Ergreifung der »sogenannten Serben« Ratko Mladić und Radovan Karadžić hat er kürzlich eine Belohnung von einer Million Euro ausgesetzt. Die nächste Morddrohung kam postwendend, bestehend aus einem Foto von ihm mit einem Hakenkreuz auf der Stirn, was das Einschussloch der Kugel markieren soll, die er »als Verräter Serbiens« verdiene. Einen ähnlichen Brief erhielt vor wenigen Tagen das Büro von Serbiens Staatspräsident Boris Tadić, weil dieser nach Lesart der Absender das Kosovo gegen die Aussicht auf EU-Mitgliedschaft verkaufe. »Erst ich, dann der Präsident«, sagt Vukcević. »Immerhin halten sich die Kerle an die Hierarchie.«

Es ist immer noch ein politisches Minenfeld, auf dem der Mann sich bewegt. Die Unabhängigkeit des Kosovos hat seine Lage nicht einfacher gemacht. Der Oberste Gerichtshof Serbiens, eine Bastion alter Milošević-Gefährten, kassiert immer wieder Urteile der Belgrader Kammer. Höhere Polizeibeamte, auf die Vukcević bei seinen Ermittlungen zurückgreifen muss, waren oft selbst in Kriegsverbrechen verwickelt oder sind mit Verdächtigen eng befreundet. Abgeordnete der nationalistischen Parteien, vor allem der Radikalen Partei (SRS), beschimpfen ihn ganz ungeniert vom Rednerpult im Parlament. Gegen ihren Vorsitzenden Vojislav Šešelj läuft derzeit vor dem UN-Tribunal in Den Haag der Prozess – nicht zuletzt dank tatkräftiger Amtsbeihilfe von Vukcevićs Büro. Sollte die SRS, was manche prophezeien, nach dem 11. Mai in Serbien die Regierung bilden, dann, sagt Vukcević, »ist es wohl vorbei mit der Verfolgung von Kriegsverbrechen«. Oder zumindest mit seiner Amtszeit. Gewinnen die moderaten Parteien, dann wird er sie kriegen, Mladić und Karadžić. Irgendwann.

Die Beobachterin: Ihr Land mache sie momentan fast verrückt, sagt sie zur Begrüßung und wuchtet ihren Laptop auf den Café-Tisch wie einen Rettungsring. Darauf ist gespeichert, was Marina Blagojević in den vergangenen Jahren zusammengetragen hat: Auswertung von Medienberichten über den Krieg, Studien über Migration, Vertreibung und über Beschäftigungsraten, Umfragen über Minderheiten – die kulturelle, soziale und wirtschaftliche Erfassung der serbischen Gesellschaft auf unzähligen Megabytes. Marina Blagojević ist Soziologin, »Beobachterin des sozialen Klimas«, wie sie es nennt. Fragt man sie nach der aktuellen Befindlichkeit ihres Landes, sagt sie: »Müde!« Das gilt wohl auch für sie selbst, sie ist jetzt 50, alleinerziehende Mutter einer inzwischen erwachsenen Tochter. Ihr Einstieg ins Berufsleben fiel zeitlich zusammen mit dem Kollaps von Jugoslawien, in der Milošević-Ära pendelte sie zwischen Antikriegsdemonstrationen und faktisch unbezahlten Vorlesungen, jetzt pendelt sie zwischen Belgrad, Budapest und Sarajevo, wo sie Seminare gibt, »auch aus Schuldgefühl« angesichts dessen, was Serben dieser Stadt angetan haben.

Blagojević hatte die ersten Warnzeichen früher als viele andere gesehen. Noch bevor Ende der achtziger Jahre die ethnische Hasspropaganda einsetzte, war in den Medien die Rede vom »Serbentum als letzte Bastion heroischer Männlichkeit und wahrer aufopferungsbereiter Weiblichkeit« aufgetaucht – eine Art Antimodernisierungsprojekt mitten im radikalen politischen und wirtschaftlichen Umbruch. Es war gewissermaßen ein Brandbeschleuniger für das Gemisch aus ethnischen Ressentiments, aus der verdrängten Geschichte des Zweiten Weltkriegs und dem simplen Machtkalkül der Nomenklatur, die von Sozialismus blitzschnell auf Nationalismus umgeschaltet hatte. Viel ist von dieser heroischen Männlichkeit und seiner Idee Groß-Serbiens ja nicht übrig geblieben. Was vorherrscht, sagt Blagojević, sei eine gigantische Konfusion und ebendieses latente Gefühl der Kränkung, genährt durch die vermeintlich antiserbische Rechtsprechung des UN-Kriegsverbrechertribunals oder zuletzt durch die Unabhängigkeit des Kosovos. Man hätte warten müssen damit, sagt sie, warten bis in Serbien und im Kosovo eine öffentliche Debatte über die wechselseitigen Diskriminierungen und Vertreibungen möglich ist, keine Gerichtsverfahren, sondern eine Wahrheitskommission. Aber die Chance sei nun eh vertan. »Die junge Generation will davon nichts mehr hören.«

Der Zornige: Ein altes Haus mit festen Mauern, ein Obstgarten, ein Boot am See. Er geht gern angeln, manchmal auch auf die Jagd. Nichts Großes, nur Vögel. Hier in Samos, einem Dorf in der Vojvodina, wurde Mladen Markov vor 74 Jahren geboren, hier kennt er jedes Geräusch, jeden Geruch. Jeden Sommer verbringt er hier mit seiner Frau, hier hat er die Dutzenden Romane und Kurzgeschichten geschrieben, einige davon preis gekrönt. Nur im Winter nutzen sie ihre Wohnung in Belgrad. 17. Februar waren sie noch in der Hauptstadt gewesen, als das Unausweichliche passierte, wie Markov es nennt: die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo. Das Kosovo, sagt er, haben wir schon langer Zeit verloren. Und jeder in Serbien weiss es. Eine Mehrheit seiner Landsleute sieht das anders: In den Tagen nach dem 17. Februar demonstrierten zehntausende von Serben friedlich gegen die Abspaltung, dann griffen Hooligans ausländische Botschaften an, setzten die amerikanische in Brand, attackierten die Büros pro-europäischer Medien und Parteien. Die Polizei sah dem Geschehen teilnahmslos zu. Offenbar auf Weisung von oben.

Mladen Markovs braungebranntes Walnussgesicht wird noch runzliger, wenn er sich die Krawallnächte vor fast drei Monaten ins Gedächtnis ruft, diesen Höhepunkt des nationalistischen Rausches, dem sich sein Land derzeit hingebe. Nicht das ganze Land, nein, für Markov ist die Gesellschaft gespalten: Auf der einen Seite ein von Mythen getragenes Serbien, das sich für ein ewig gedemütigtes Märtyrervolk hält und auf Erlösung wartet; auf der anderen Seite ein weltlich, rationales Serbien, das endlich seinen Platz in Europa finden möchte, außerdem Jobs und Visafreiheit.

Wenn man ihn so reden hört mit dem brummenden Groll eines alten Mannes, könnte man meinen, er verachte nicht nur ersteres, sondern auch letzteres: Für seine Furchtsamkeit und Unfähigkeit, sich endlich durchzusetzen. Jetzt schwillt ihm ein wenig der Hals, seine Frau kommt durch den Garten mit einer Tablette und einem Glas Wasser, zwei Hunde dösen unter dem Apfelbaum. Ein dummes-aggressives Serbien, ein vernünftiges, ängstliches Serbien ganz so einfach verlaufen die Fronten in diesen Zeiten wohl nicht, aber Markov ist ein Mann der alten Schule, ein bisschen paternalistisch, ein bisschen belehrend. Er glaubt immer noch an die Verantwortung und Pflicht des Intellektuellen, dem Volk die Richtung zu weisen, obwohl dieser Anspruch Serbien nie wirklich gut bekommen ist. Das berühmt-berüchtigte Memorandum der Serbischen Akademie für Wissenschaften und Kunst, 1986 mit seiner Forderung nach Vereinigung aller Serben öffentlich gemacht, gilt als Gründungsakte des serbischen Nationalismus. Aber das waren in Markovs Augen eben die falschen Intellektuellen.

Er selbst war politisch aktiv gewesen in den 90er Jahren, hat eine durchaus nationalistisch eingefärbte Partei mitbegründet und die ersten Massendemonstrationen gegen Milosevic organisiert. Er kennt oder kannte alle maßgeblichen Köpfe der politischen Elite: Vojislav Kostunica, den amtierenden Premierminister, Dobrica Cosic, seinen Schriftsteller-Kollegen und ehemaligen Präsidenten Jugoslawiens, Zoran Djindjic, den Reformer und ehemaligen Premierminister, der 2003 ermordet wurde. Es ist ein kleines Land, Belgrad eine kleine Bühne, jeder hat hier mal mit jedem gespielt und koaliert, sich dann wieder zerstritten. Manchmal kollidierten politische Überzeugungen, manchmal männliche Egos oft beides. Inzwischen sind es aber längst nicht mehr die Intellektuellen, die großen und kleineren Schriftsteller, die politische Fahnen schwenken, sondern die Stars aus Sport und Pop. Novak Djokovic, Serbiens erfolgreichster Tennis-Profi oder der Schwimm-Europameister Milorad Cavic sind die Magneten auf nationalistischen Demonstrationen gegen die Unabhängigkeit des Kosovo junge, smarte Medienpersönlichkeiten, CNN-kompatibel, weil sie perfekt englisch sprechen.

Markovs Generation der Intellektuellen hingegen schaut nur noch vom Rande aus zu. Markov selbst schreibt weiter Romane und Kurzgeschichten, meist handeln sie vom Trauma des zweiten Weltkriegs, oft hat er damit politische Tabus gebrochen. Er war einer der ersten Autoren, der die Misshandlung und Vertreibung der deutschen Minderheit nach 1945 thematisierte und die Ressentiments innerhalb des Vielvölkerstaats Jugoslawiens beschrieb. Jetzt sitzt er an einem Roman über einen serbischen Offizier, den die Mitschuld an einem Massaker an deutschen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg wieder einholt. Dass er noch einmal einen Bestseller landet, glaubt er selbst nicht. In seinem Bild des gespaltenen Serbiens beschäftigt sich die eine Hälfte lieber mit der Schlacht auf dem Amselfeld 1389, dem Gründungsmythos der serbischen Nation. Und die andere Hälfte schaut MTV. Wissen Sie, sagt er zum Abschied, in Serbien vollzieht sich Geschichte immer zu schnell.



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