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DIE HYSTERIE - SYMBIOSE



Ein Gastbeitrag von Jens Berger

Deutschlands Medien befinden sich wieder einmal im Ausnahmezustand: Zeitungen warnen vor Terrorismus-Hysterie und schüren eben diese; TV-Talkshows rufen zur Besonnenheit auf und untermalen dies mit dramatisch blutrünstigen Bildern vergangener Terroranschläge; Internetblogs verfallen in kollektive Hysterie vor einem Polizeistaat, der nun unmittelbar vor der Tür stehe.

Und täglich grüßt das Murmeltier, es scheint fast so, als sei Terrorismus in unseren Breitengraden vor allem ein mediales Phänomen. Dabei hat sich eine merkwürdige Symbiose aus Islamisten, Sicherheitspolitikern und Terrorismusexperten, Leitartiklern und Bloggern herausgebildet, bei dem jede Seite ein überbordendes Interesse daran hat, dass das Hysterie-Karussell sich weiter dreht.

Die beste Methode, sich vor hysterischen Wallungen zu schützen, ist es wohl, für ein paar Wochen alle Medien konsequent zu meiden. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Seltsamerweise ist das deutsche Volk aber überhaupt nicht so hysterisch, wie es die Medien gerne hätten. Verwirrte Berliner, die von TV-Journalisten so lange mit einem unsäglichen Suggestivfragenstakkato malträtiert werden, bis sie das Wort “Angst” in die Kamera hauchen, stellen hier nur die Ausnahme dar, die die Regel bestätigt. Äsops Fabel vom Hirtenjungen, der so oft “Wolf” schrie, bis ihm niemand mehr glaubte, hat ihr zeitgemäßes Pendant gefunden. Wahrscheinlich könnte auch ein Oberschurke mit langem Bart und einer Atomwaffe mitten auf dem Alexanderplatz stehen und den Michel würde das alles kalt lassen. Zu oft hat die Politik schon “Wolf” gerufen – “jetzt aber mal im Ernst”, “noch nie war die Bedrohung so groß”.

Die Hysteriespirale und ihre Profiteure

Was wären Sicherheitspolitiker und Terrorismusexperten ohne Terroristen? Richtig – sie müssten wohl einer seriösen Beschäftigung nachgehen. Dass es nie so weit kommt, dafür sorgen sie allerdings emsig selbst. Jeder Psychopath im jemenitischen Hinterland wird zum neuen Terrorfürsten hochgeschrieben, jeder afghanische Klerikalfaschist mit stechendem Blick und Wut auf den Westen wird zu einer Bedrohung der freien westlichen Welt erklärt. Wie gut, dass auf jeden depperten Islamisten ein ebenso depperter Sicherheitspolitiker kommt. Wer in Deutschland auf allen Gebieten versagt, wird Versicherungsmakler, wer in Waziristan nicht so recht mit dem Leben klar kommt, lässt sich vermummt filmen und brabbelt dabei etwas von Ungläubigen, denen Gottes Schwert die Kehlen aufschlitzen werde.

Sicherheitspolitiker haben es sich auf die Fahne geschrieben, ihr Volk vor solchen Schurken zu beschützen. Natürlich kann (und mag) man sich nicht vorstellen, dass beispielsweise ein Herr Schünemann nächtens durch Berlin patroulliert und brave Bürger heldenhaft vor potentiellen Bösewichten beschützt – sein Job ist es vielmehr, abstruse Gesetzesideen kundzutun, sobald in Waziristan ein Sack Reis umgefallen ist. Zum Glück gibt es allerdings auch noch Bürgerrechtsexperten, die ihrerseits immer dann ins Scheinwerferlicht eilen, wenn ihre Kollegen von der Law & Order-Fraktion mal wieder ihre feuchten Überwachungsphantasien ausleben. Mal gewinnen die einen den Kampf um die Gunst der Kanzlerin, mal die anderen. Zum Glück haben sich die Verfassungsväter mit dem Bundesverfassungsgericht aber ein Korrektiv ausgedacht, das uns immer dann schützt, wenn die Sicherheitspolitiker uns verfassungswidrig schützen wollen. Checks & Balances – hier funktionieren sie noch. Schön ist das alles nicht, aber um den Broterwerb einiger harter Hunde aus der Unionsfraktion zu sichern, ist das wohl leider alternativlos. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ein Herr Schünemann sich wichtigeren Bereichen der Politik zuwenden würde.

Mediales Kasperletheater

Weder der bärtige Psychopath in Waziristan, noch der glattrasierte Psychopath in Hannover hätten jedoch auch nur den Hauch einer Bedeutung, wenn es nicht die lieben Kollegen der publizierenden Front gäbe, die aus jeder jemenitischen Mücke eine Gefährdungslage und aus jedem plapperenden Vorortsheriff einen Sicherheitspolitiker machen würden. Zeitungen wollen verkauft, TV-Nachrichten angeschaut werden und eine echte Terrorwarnung ist da natürlich ein ganz hervorragender Aufmacher. Selten unterscheiden sich die mediale und die reale Wirklichkeit so sehr, wie in Zeiten der Terrorwarnungen. Wir müssen alle sterben – irgendwann. Sollte es bei einem Terroranschlag sein, so werden wir Stars. Die Wahrscheinlichkeit dafür steht jedoch nicht sonderlich gut – für Deutschland ist sie nicht zu berechnen, da es hierzulande noch keinen islamistischen Terroranschlag mit Todesopfern gab. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines gefrorenen Urinklumpens zu werden, der vom Himmel fällt, ist jedenfalls nicht wesentlich geringer. Gefühlt ist der Terrorismus dank der lieben publizierenden Kollegen jedoch auf einer Stufe mit Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Hoffentlich stimmt wenigstens die Quote.

Während es in der Politik das Bundesverfassungsgericht gibt, heißt das Korrektiv des Journalismus Heribert Prantl. Gegen das Geplärre seiner Kollegen kommt der stille Münchner jedoch in Zeiten der Hysterie auch nicht an. Aber so schlimm ist das auch nicht, finden die Plärrer doch schon morgen ein neues Objekt ihrer Begierde. Liebe Hartz-IV-Empfänger, integrationsverweigernde Migranten und Banker, seid Euch Eurer Sache nicht allzu sicher, morgen seid Ihr wieder dran.

Hysterische Blogger

Wohl dem, der in Zeiten der Hysterie keinen Internetanschluss hat. Blogger und Terroristen haben eins gemeinsam – sie beziehen ihre Daseinsberechtigung aus den flotten Sprüchen der Sicherheitspolitiker. Sobald ein Schünemann ins Mikrophon hustet, wissen schon unzählige aufgeregte Blogger und noch mehr überaufgeregte Blog-Kommentatoren, dass nun das Abendland untergeht und wir an der Schwelle zu einem Überwachungs- und Polizeistaat stehen – “jetzt aber mal im Ernst”, “noch nie war die Bedrohung so groß”. Natürlich wird man im hysterische Gekläffe nur dann gehört, wenn man selbst am lautesten kläfft. Wer nicht glaubt, dass nun – in Zeiten der Terrorwarnungen – nicht nur neue Sicherheitsgesetze kommen, sondern auch der Einsatz der Bundeswehr im Inneren und die Vorratsdatenspeicherung nur noch eine Frage der Zeit sind, ist ein unbelehrbarer Büttel der Politik. Natürlich könnte man darauf hinweisen, dass Innenminister de Maizière jede Verschärfung der Sicherheitsgesetze kategorisch ausschließt, aber dies würde die kognitiven Dissonanzen auch nicht lindern. Alle Beteiligten leben in einer wunderschönen Terror-Symbiose.

Der Bärtige aus Waziristan wäre nichts ohne übereifrige Sicherheitspolitiker, die wiederum nichts ohne übereifrige Journalisten wären – aus diesem drolligen Wechselspiel ziehen wiederum übereifrige Blogger ihre Daseinsberechtigung. Und alle schreien so lange “Wolf”, bis es niemand mehr hören will. Wie sähe die Welt ohne Bärtige, Sicherheitspolitiker, Journalisten und Blogger aus? Wahrscheinlich hätten wir ein Paradies, in dem alle Beteiligten Hand in Hand auf einer Blumenwiese tanzen würden. Das gilt es natürlich zu verhindern!

/binsenbrenner.de/
24.11.2010


 


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