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KÖNIGE ohne Land


Archiv

Aus FOCUS Nr. 10 (1997)

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KÖNIGE ohne Land

 

Exilmonarchen aus Osteuropa drängt es in die Heimat: Sie wollen ihren Ländern auf dem Weg zur Demokratie helfen

Von FOCUS-Redakteurin Gudrun Dometeit und Nicole Herzog, Marco Ljubic, Martin Ohnweiler und E.Popowa

Alexander Karadjordjevic zählt die Schar seiner Verehrer seit neuestem mit dem Computer. Der Kronprinz von Jugoslawien wirbt auf einer Web-Seite im Internet für sich. „In den vergangenen zwei Monaten sind wir fast 30 000 mal angewählt worden“, bilanziert er stolz. Moderne PR für eine alte Idee – die Wiederherstellung der Monarchie auf dem Balkan.
Seit der Öffnung Osteuropas träumen die einst von den Kommunisten vertriebenen Blaublüter von einer dauerhaften Rückkehr in ihre Heimat. Aufwind spüren sie durch die jüngsten politischen Wirren in Rumänien, Serbien, Bulgarien und Albanien. Die Edelmänner drängt es, ihren Ländern auf dem Weg zur Demokratie zu helfen. Sie hoffen zudem auf die Wiedergutmachung offensichtlichen Unrechts.


Erste Geste des guten Willens: Staatspräsident Emil Constantinescu gab Rumänen-König Michael die Staatsbürgerschaft zurück, die ihm der Ministerrat 1948 entzogen hatte. „Mein lebenslanger Wunsch hat sich erfüllt“, seufzte der 75jährige Hohenzollern-Abkömmling glücklich. Mit Gemahlin Anna eilte er vorigen Freitag aus dem schweizerischen Versoix zu einem Sechstagetrip nach Bukarest – zum erstenmal nach fünf Jahren.
Treue Monarchisten schwärmen von einer Zukunft mit dem Thronprätendenten. „Die konstitutionelle Monarchie kann ähnlich wie in Spanien auch in Rumänien für ein Gleichgewicht im politischen Machtkampf sorgen“, glaubt der frühere Dissident Konstantin Stoiculescu, eine silberne Hohenzollernkrone am Revers. Zurückhaltender sehen das die Politiker. „Dieser Besuch ist ein wichtiger Schritt in Richtung Normalisierung“, betonte Regierungschef Victor Ciorbea. Sozialdemokrat Petre Roman machte klar, daß es mit ihm eine Diskussion über eine neue Verfassung nicht geben werde.
Die oppositionelle Iliescu-Partei, argwöhnte, Michael gehe es nur um seine einstigen Immobilien und den Großgrundbesitz. „Ich komme nicht, um zu nehmen, sondern um zu geben, nicht um zu teilen, sondern um zu einen“, beruhigte der Monarch.
Die Eigentumsfrage habe keine Priorität, beteuert auch Bulgariens Exilkönig Simeon II., seit 50 Jahren in Madrid und Duzfreund von Spaniens Juan Carlos. „Aber ich finde es ungerecht, daß ein Rechtsstaat mich schlechter als andere behandelt, zumal dem Großteil der bulgarischen Bürger konfiszierte Güter zurückgegeben wurden.“ Das private Eigentum seiner Familie beschlagnahmten die Kommunisten per Sondergesetz, nachdem ein zweifelhaftes Referendum der Monarchie 1947 den Garaus gemacht hatte.

Ähnlich erging es dem jugoslawischen Königshaus. „Der Wert des enteigneten Karadjordjevic-Eigentums würde jetzt rund 1,2 Milliarden US-Dollar betragen“, schätzt der Belgrader Anwalt und Royalistenkenner, Slobodan Maricic. In einer Schweizer Bank sollen noch immer Millionen Dollar und Schmuck lagern. „Niemand kennt aber das Paßwort“, erklärt ein jugoslawischer Ex-Diplomat, der in den 50er Jahren vergeblich versucht hatte, im Namen der kommunistischen Regierung an die Pretiosen heranzukommen.
Jugoslawiens Thronfolger Alexander, der sich heute de facto nur noch für Serbien zuständig fühlt, glaubt an die Wohltaten einer modernen Monarchie. „Was nötig ist, ist ein Individuum, das neutral ist, keiner Partei angehört und unbelastet von den Problemen der Vergangenheit – jemand wie ich“, erklärt er selbstbewußt in seinem bescheidenen Londoner Büro. Der 53jährige Unternehmensberater, der sich „gelegentlich“ mit seiner Patentante, Queen Elizabeth, trifft, sieht seine Chancen aber realistisch. „Da muß noch eine Menge getan werden. Der Startschuß fällt für mich, wenn Milosevic geht.“

Der 60jährige Simeon kann sich im darbenden Bulgarien auf eine große Fangemeinde stützen: In einer Umfrage vom Februar bezeichneten ihn 71,5 Prozent nach Präsident Petar Stojanow und neben Regierungschef Stefan Sofijanski als vertrauenswürdigste Persönlichkeit. „Sehr viele respektieren den König als Person, unterstützen aber nicht unbedingt die monarchistische Idee“, meint Galja Ditschewa vom königlichen Sekretariat in Sofia. Auf den Vorschlag Simeons, ihn zunächst für eine Legislaturperiode als König einzusetzen, um die Gesellschaft nicht weiter in Monarchisten und Republikaner zu spalten, reagierte die Politik kaum.
„Es ist eine Illusion zu glauben, die Monarchie löse unsere schweren Probleme. Andererseits ist jeder, der Bulgarien mit seinen Auslandsbeziehungen oder seiner Autorität helfen will, willkommen“, erklärt Anastasia Moser, Chefin des oppositionellen Volksbunds. Präsident Stojanow griff bereits zu: Er holte Simeon-Sprößling Kyrill, einen erfolgreichen Geschäftsmann, in seinen Wirtschaftsrat.
„Die Ereignisse werden mich sehr bald in mein Land zurückbringen“, ist der Albaner Leka überzeugt. Der Hüne, der auf einer Farm bei Johannesburg lebt, ließ sich 1961 im Exil zum König küren. Ein Referendum, hofft der 57jährige, soll ihn im krisengeschüttelten Albanien an die Macht bringen. Für Präsident Sali Berisha könnte das gefährlich werden. „Auch wenn jemand vom Mond kommt, ich würde jede Alternative zu Berisha wählen“, sagt der Techniker Agim M. aus Tirana.
Mehr als jeder andere Thronanwärter besuchte der junge Romanow-Erbe Georgij das Land seiner Vorväter: Seit 1992 waren es 36mal, rechnet Wladimir Lopuchin, Vizechef der russischen Adelsversammlung vor. „Unfug“, schmetterte die russische Präsidentenadministration wiederholt das Gerücht ab, Boris Jelzin wolle in einem Dekret die rechtmäßigen Thronrechte des knapp 16jährigen anerkennen und der Zarenfamilie einen Sonderstatus einräumen. „Das sind keine Gerüchte“, kontert der Vorsitzende des Monarchistischen Zentrums, Nikolaj Lukjanow. EineAnordnung sei fast unterschriftsreif gewesen, aber wegen des Putsches 1993 und der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen immer wieder verschoben worden. Das Jelzin-Dekret könnte die Streitigkeiten unter den rund 70 noch lebenden Romanows um die Thronfolge beenden.
„Die Möglichkeit einer Monarchie ist sehr real, nur können wir den Monarchismus nicht morgen oder in ein bis zwei Jahren wiederherstellen. Erst einmal muß die Familie nach Rußland umsiedeln“, betont Lukjanow. Dabei sprachen sich in Umfragen nur acht bis zehn Prozent der Befragten für die Wiederherstellung der Monarchie aus. Die Königstreuen setzen auf das Jahr 1997: Jelzin hat es zum Jahr der Versöhnung erklärt, und Georgij wird in diesem März thronfähig. Nicht ausgeschlossen: die Heiligsprechung des 1918 erschossenen Zaren Nikolaus II.


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